Wienerstraße 18 und 19: Acht neue Stolpersteine

Eine Gruppe weißer Rosen auf einer Steinoberfläche

© Stadtgemeinde Neunkirchen

Eine Gruppe von Menschen, die vor einem Gebäude stehenLes und Vera Goldman, Mag. Gerhard Milchram, Bürgermeister Mag. (FH) Peter Teix sowie Heinz und Rosa Konrath vor den Stolpersteinen und dem Haus in der Wienerstraße 19 (im Gedenken an die Familie Neumann). 42 Stolpersteine-Steine, Steine, die an die Schicksale jener erinnern, die in der nationalsozialistischen Herrschaft ihre Heimat verlassen mussten, wurden bislang im Stadtgebiet von Neunkirchen verlegt. In einer Gedenkstunde am 21. Mai 2026 wurde der Schicksale der Familien Neumann und Gerstl gedacht, an die die jüngsten acht Steine in der Wienerstraße 18 und 19 erinnern sollen. Die Anwesenheit von Neumann-Enkelin Vera Goldman, die mit ihrem Ehemann Les aus England angereist war, verlieh der Feier einen besonderen Rahmen. Verwandte der Familie Gerstl verfolgten das Geschehen via Video-Call aus Frankreich.

 

„Die Stolpersteine sind mehr als Gedenktafeln. Sie sind Mahnmale im Alltag. Sie fordern uns auf, nicht zu vergessen und wachsam zu bleiben. Sie erinnern uns daran, wohin Ausgrenzung, Hass und Gleichgültigkeit führen können“, erklärte Bürgermeister Peter Teix in einer kurzen Ansprache vor Ort und ergänzte an die Familien gerichtet: „Die Steine sind auch ein Zeichen dafür, dass die Namen Ihrer Familienmitglieder nicht verloren sind. Sie sind Teil unserer Stadtgeschichte und werden es bleiben.“ Ein herzliches Dankschön richtete er an die Familie Konrath, auf deren Betreiben die acht Stolpersteine vor den Häusern der Wienerstraße 18 und 19, den ehemaligen Wohnorten der Familien Neumann und Gerstl, verlegt wurden – sie stellten auch den Kontakt zu den Verwandten her.

 

„Warum und zu welchem Zweck erinnern wir uns? Erinnern ist eines der Schlüsselkonzepte jeder Kultur und jeder Geschichtsschreibung. Wo die Erinnerung fehlt, gibt es kein historisches Bewusstsein, kein Verstehen der Gegenwart und keine Handlungsperspektive für die Zukunft“, erklärte Historiker Mag. Gerhard Milchram über die Bedeutung der Erinnerungsarbeit. Er konnte danach auch einiges über die Schicksale beider Familien in Neunkirchen berichten.

 

Die Familie Neumann betrieb in Neunkirchen eine Schneiderei sowie ein Geschäft mit Second Hand Kleidung und Stoffen, die Familie Gerstl ein Geschäft mit Lederwaren. Beide waren Teil der jüdischen Gemeinschaft und mussten im Zuge des Nazi-Regimes Neunkirchen – und damit ihre Heimat - verlassen.

Die Söhne Franz und Karl Neumann konnte nach England fliehen, Vater Ludwig starb an einem Herzinfarkt, Mutter Camilla kam im Konzentrationslager Auschwitz ums Leben. 

Eveline und Heinrich Gerstl wurden gedemütigt, entrechtet und wurden gezwungen nach Wien in eine so genannte Sammelunterkunft zu ziehen – beide starben noch vor ihrem Transport in ein Konzentrationslager. Auch ihre beiden Söhne schafften es, zu fliehen. In Frankreich kamen sie 1940 in ein Internierungslager, schafften aber erneut die Flucht und versteckten sich bis zum Kriegsende.

 

Nach einer persönlichen Erklärung von Vera Goldman schloss Les Goldmann mit dem Kaddisch – einem jüdischen Gebet für die Toten, das er auf Hebräisch vortrug. Beiden bedeuten die Steinen vor dem ehemaligen Wohnhaus von Großeltern und Eltern viel: „Bislang hatten wir von den Großeltern nur ein Foto und eine Menora zur Erinnerung, jetzt haben wir auch die Steine in Neunkirchen.“ 

 

Auf Initiative der Familie Konrath waren auch Schülerinnen und Schüler des BG Neunkirchen (Wahlpflichtfach Geschichte, Dr. Martina König) anwesend, sie legten weiße Rosen auf die Gedenksteine – im Anschluss führen sie noch intensive Gespräche mit den Goldmans.

 

Stolpersteine in Neunkirchen

Insgesamt wurden seit 2011 bereits 42 Stolpersteine an 17 Adressen im Stadtgebiet verlegt. In Neunkirchen haben an insgesamt 26 Adressen Menschen gewohnt, die deportiert und in Konzentrations- oder Vernichtungslagern ermordet wurden. Insgesamt 103 Personen der Israelitischen Kultusgemeinde Neunkirchen, davon 74 mit Wohnadresse in Neunkirchen, fielen dem NS-Regime zum Opfer. Die Stolpersteine, die mit Namen und Daten des jeweiligen Opfers versehen sind, sollen an die Menschen erinnern und Mahnmale gegen den NS-Terror sein. Das Stolpern ist dabei nur gedanklich zu verstehen: Die Steine werden vom niveaugleich ins Pflaster gelegt.

Vera und Les Goldman vor den Stolpersteinen für ihre Familienmitglieder

Schüler legen auf den Stolpersteinen der Familie Gerstl weiße Rosen nieder

Die Stolpersteine der Familie Neumann

Die Gedenksteine der Familie Gerstl


Eine Gruppe von Menschen, die für ein Foto posiert


27.05.2026